Der Arbeiter Otto ist stolzer Besitzer ganzer fünf Aktien der Schädlingsvertilgungsmittelfabrik, in der er arbeitet. Da er diesen Umstand gegenüber seinen Freunden und Kollegen gar nicht oft genug erwähnen kann, trägt er den Spitznamen "Otto der Grossaktionär".
Beschäftigt ist er als sogenannter Tierbetreuer, tatsächlich bestreut er Ratten mit Vertilgungsmitteln um deren Wirksamkeit zu testen. Ungemütlich wird es immer dann, wenn die Ratten nicht sterben wie es die Chemiker ausgerechnet haben, sondern noch leben. Da Otto und sein Kollege in der Hirarchie ganz unten stehen bekommen sie dann den Druck des Abteilungsleiters Jühlich voll zu spüren. Also sorgt Otto dafür, dass die Ratten termingerecht ableben. Allerdings bekommt die Firma wegen der mangelden Qualität der Schädlingsvertilgungsmittel Absatzschwierigkeiten und Otto wird auf Kurzarbeit gesetzt. Glücklicherweise ist sein Artbeitgeber dabei einen neuen Markt zu erschließen. Otto stellt sich als Testperson für Giftgas zur Verfügung. Dieses wird im Auftrag des Innenministeriums als Mittel gegen Staatsfeinde und Terroristen entwickelt.
Gisela Elsner bedient sich in Ihrem Roman des Mittels der Satire, die Unmenschlichkeit der Ökonomie und des Fabrikregimes stellt sie stark überzeichnet dar. Ein weiteres Thema sind die Klassenverhältnisse und die Versuche des Otto seinen erbärmlichen Status für sich selbst erträglich zu gestalten. Ich finde, dass trotz der Überzeichnungen ein sehr realistisches Bild der Zustände unserer Gesellschaft entsteht. Die Lektüre ist ein Vergnügen, die Qualität hält den bei Gisela Elsner gewohnheitsmäßig hohen Erwartungen mühelos stand.
Aus dem Nachlass der Autorin hat der Verbrecher-Verlag das Manuskript vom Ende der 80er-Jahre nun erstmals veröffentlicht. Eine gute Entscheidung...