Henning Böke: Maoismus

In der Reihe theorie.org des Schmetterling Verlages ist nun ein Bändchen zur Einführung in den Maoismus erschienen. "China und die Linke - Bilanz und Perspektive" lautet der Untertitel. Dies scheint mir etwas vollmundig, angesichts der Komplexität des Themas und des Umfanges des kleinen Bändchens. Dennoch habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Bisher bin ich als politisches Kind der Scheiß 90er-Jahre nämlich nur mit seltsamen Zerrbildern des Maoismus in Berührung gekommen.
"Neue Demokratie", "Großer Sprung", "Kampf zweier Linien", "Kulturrevolution", "Viererbande" usw. Alles weitgehend unbekannte Begriffe. Dabei ist die chinesische Revolutionsgeschichte ja durchaus sehr wesentlich für die Entwicklung der Linken auf diesem Erdball.
Böke liefert zuallererst eine systematische Darstellung der chinesischen Entwicklung, als Einstieg in die Thematik ist das Buch ideal.Der Teil zum westlichen Maoismus fällt äußerst knapp aus, das halte ich aber nicht für weiter wichtig, da die chinesische Entwicklung sicher viel wesentlicher ist als die westlichen Versuche sie zu importieren.
Insgesamt eine Einführung die mein Interesse angefacht hat, in der nächsten Zeit werde ich die Literaturliste Bökes sicher zu Rate ziehen um die Aneignung der chinesischen Geschichte zu vertiefen.

so unkritisch?

ich finde ja die rationalisierungen die herr böke in seinem buch vornimmt, um den maoismus gegen die "bürgerliche hetze" in schutz zu nehmen äußerst geschmacklos. keine frage ist dem bürgerlichen lager kein thema zu blöd um die sozialistischen experimente des 20. jahrhunderts zu delegitimieren, nur darauf in der bewährten parteigänger-manier zu antworten und die großen niederlagen die diese experimente stets für die proletarischen kämpfe bedeutet haben in notwendigkeiten und aufrechnungen mit den opfern des kapitalismus verschwinden zu lassen, ist meines erachtens der feind einer kritischen rekonstruktion des maoismus.

von den inhaltlichen leichenschändungen, die er beispielsweise den revolutionären proletariern von shangahi angedeihen lässt, ganz zu schweigen. und auch das von ihm dargestellte inhaltliche programm des maoismus wird kaum und dann eher kosmetisch kritisiert, was imho der erbärmlichkeit seit der abkehr von der su (also der "polemik über die generallinie") nicht gerecht wird.

keine frage ist es eine handliche und sich positiv vom rest der bücherlandschaft zum thema abhebende publikation, nur finde ich deine völlig unkritische abfeierei hier nicht gut.

ja, unkritisch

Stimmt, ich gehe mit dem Buch erstmal sehr unkritisch um. Deine Einwände wären wohl auch um Bökes Vorstellungen von dem "über Marx und Mao hinaus" zu ergänzen, die er am Schluß kurz anreist. Nun diese Vorschläge habe ich einfach erstmal ignoriert, weil:

- ich tatsächlich den informativen Charakter des Buches für wichtiger halte

- und ich schlicht zu wenig über die Entwicklung weiß um beispielsweise zu beurteilen ob er "inhaltliche Leichenschändung" betreibt.

Von daher: ja, erstmal unkritisch