Johannes Rohbeck: Marx

'rohbeck' von Corto

Das war wirklich erfrischend die Einführung in den Marxismus von Johannes Rohbeck zu lesen. Der Autor schafft es in dem dünnen Bändchen einige wesentliche Teile der Theorie von Karl Marx sehr eindrücklich darzustellen. Bei mir ist es bereits einige Jahre her, dass ich mich mit der Lektüre des Kapitals beschäftigt habe (kollektiv natürlich), und mir ist damals nach der Hälfte des ersten Bandes die Luft ausgegangen. Daher macht es für mich durchaus Sinn, mir ab und an eine kleine Auffrischung zu gönnen, um verschüttete Begrifflichkeiten wieder ins Bewusstsein zu holen.
Mehr als eine solche Auffrischung oder erste Einführung in das Thema kann das Bändchen natürlich nicht leisten, aber die Komplexität in einer mehr oder weinger brauchbaren Weise herrunterzubrechen, ist ja die Leistung einer Einführung. Und dies macht Rohbeck, finde ich, zum Teil sehr gut. Leider nur zum Teil.
Sehr beeindruckend fand ich das Kapitelchen zur Kritik der politischen Ökonomie sowie zur Arbeit und Technik. Hier wird sehr gut herausgearbeitet, dass es Marx nicht primär um die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums geht, sondern um die Art wie dieser Reichtum entsteht.
Um so erstaunter war ich als ich später, als ich (auf Seite 82) folgende Sätze des Professors zu lesen bekam:

"Heute ist daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, auf die Macht der Politik zu setzen und damit die gesellschaftliche Kontrolle über das Kapital zu gewinnen. Da dies im nationalstaatlichen Rahmen immer schwerer wird, kommt es darauf an, durch überstaatliche Kooperation dem globalen Kapitalismus Grenzen zu setzen. Dies gilt besonders für die weltweiten Finanzmärkte. (...) Was Marx als ein Mehr an "Planung" gefordert hat, besteht heute in internationalen und transnationalen Institutionen."

Nachdem also erst herausgearbeitet wurde dass es bei Marx gerade nicht primär um die politische Frage nach der Verteilung geht, wird ein paar Seiten später (ohne nachvollziehbare Begründung) behauptet, nun sei dies aber doch die einzigste Möglichkeit.

Neinnein, das ist nicht der Kommunismus

Dennoch lesenswert, erschienen in der Reihe "Grundwissen Philosophie" bei Reclam Leipzig. Eine ausführlichere Kritik gibt es von Ingo Elbe bei der Roten Ruhr Uni.