Roman

Alessandro Baricco: City

Die Geschichte eines jugendlichen Genies und seines neuen Kindermädchens, eine Boxergeschichte, ein Western. Als dies bringt Baricco in seinem Roman "City" spielend unter. Spannend, vergnüglich, Lesegenuß.
Ich war besonders von seinem Umgang mit dem Genre Western begeistert, die anderen Stränge sind aber ebenfalls von hoher Qualität.
Die gebundene Ausgabe ist 2000 bei Hanser erschienen.

Antonio Tabucchi: Der verschwundene Kopf des Damasceno Monteiro

Der 26-jährige Journalist Fermino wird von seinem Chefredaktuer nach Porto geschickt. Dort ist eine Leiche ohne Kopf gefunden worden. Der überzeugte Lissaboner Fermino ist davon aus mehreren Gründen nicht begeistert. Das Schreiben für das Boulevard-Blatt hält er nicht für seinen Stil, statt dessen würde er lieber in der Lissaboner Bibliothek sitzen um an einem Essay über den portugisischen Nachkriegsroman zu schreiben, die Roamantheorie von Lukacs soll dabei Pate stehen. Die Trennung von seiner Freundin passt ihm nicht und gegen Porto hegt er Vorurteile.

Sein Chefredakteur quartiert ihn in der Pension von Dona Rosa ein, die ihm Kontakte zu Portos Unterwelt verschafft, so das er bald mehrere erfolgreiche Sonderblätter mit dem Fall füllen kann. Schließlich entsteht ein Kontakt zu dem Anwalt Don Fernando, genannt Loton. Dieser interessiert sich für den Mord weil er von Polizisten begangen wurde. Loton stammt aus adeliger Familie und kann es sich daher leisten die Habenichtse im Kampf um Gerechtigkeit zu vertreten. Neben der Zusammenarbeit anlässlich des Falles entwickelt sich zwischen den beiden eine ständige Diskussion um politische und soziale Themen. Der Anwalt, äußerst belesen und gebildet, geht seine Arbeit sehr philosophisch an. Als die Arbeit abgeschlossen zu sein scheint, taucht ein neuer Belastungszeuge auf. Fermino entscheidet sich...

Ein weiterer Volltreffer aus der Feder von Antonio Tabucchi. Spannend, intelligent, wunderschön geschrieben. Die gebundene Ausgabe ist 1997 bei Hanser erschienen und auf einschlägigen Plattformen sehr günstig zu beziehen.

Gisela Elsner: Otto der Grossaktionär

Der Arbeiter Otto ist stolzer Besitzer ganzer fünf Aktien der Schädlingsvertilgungsmittelfabrik, in der er arbeitet. Da er diesen Umstand gegenüber seinen Freunden und Kollegen gar nicht oft genug erwähnen kann, trägt er den Spitznamen "Otto der Grossaktionär".
Beschäftigt ist er als sogenannter Tierbetreuer, tatsächlich bestreut er Ratten mit Vertilgungsmitteln um deren Wirksamkeit zu testen. Ungemütlich wird es immer dann, wenn die Ratten nicht sterben wie es die Chemiker ausgerechnet haben, sondern noch leben. Da Otto und sein Kollege in der Hirarchie ganz unten stehen bekommen sie dann den Druck des Abteilungsleiters Jühlich voll zu spüren. Also sorgt Otto dafür, dass die Ratten termingerecht ableben. Allerdings bekommt die Firma wegen der mangelden Qualität der Schädlingsvertilgungsmittel Absatzschwierigkeiten und Otto wird auf Kurzarbeit gesetzt. Glücklicherweise ist sein Artbeitgeber dabei einen neuen Markt zu erschließen. Otto stellt sich als Testperson für Giftgas zur Verfügung. Dieses wird im Auftrag des Innenministeriums als Mittel gegen Staatsfeinde und Terroristen entwickelt.

Gisela Elsner bedient sich in Ihrem Roman des Mittels der Satire, die Unmenschlichkeit der Ökonomie und des Fabrikregimes stellt sie stark überzeichnet dar. Ein weiteres Thema sind die Klassenverhältnisse und die Versuche des Otto seinen erbärmlichen Status für sich selbst erträglich zu gestalten. Ich finde, dass trotz der Überzeichnungen ein sehr realistisches Bild der Zustände unserer Gesellschaft entsteht. Die Lektüre ist ein Vergnügen, die Qualität hält den bei Gisela Elsner gewohnheitsmäßig hohen Erwartungen mühelos stand.

Andrea Camilleri: Der unschickliche Antrag

Genuardi Filippo beantragt auf Sizilien im Jahre 1891 ein Telefon zum privaten Gebrauche. Um diesen unschicklichen Antrag dreht sich nun die äußerst amüsante Geschichte des Autors Andrea Camilleri.
Bürokraten, Mafiosi, Aufwiegler, Sozialisten und Anarchisten, reichlich verblödete Carabinieri. Sie alle mischen sehr bald mit. Außerdem treten auf: Pfaffen, die Moral, die Liebe, allerlei Beziehungsverwicklungen familärer und nichtfamilärer Art.
Erzählt wird die Geschichte in zwei Strängen: Gesagtes und Geschriebenes. Camilleri verwendet Italienisch, sizilianisches Italienisch und Sizilianisch. Als Leser der deutschen Übersetzung habe ich bemerkt das mir so mancher Sprachwitz entgeht. Schade natürlich, aber hier stoßen die Möglichkeiten einer Übersetzung an ihre Grenzen. Trotzdem ein Vergnügen!

Chotjewitz liest aus "Mein Freund Klaus"

Am 16.04.08 ab 19.30 Uhr liest Peter O. Chotjewitz im Clara-Zetkin-Haus aus seinem neuen Roman "Mein Freund Klaus".

Cory Doctorow: Backup

'doctorow' von Corto

Durch einen Beitrag des arte-Magazins Metropolis bin ich auf den Roman "Backup" gestoßen. Doctorow beschreibt darin eine Welt in der es keine Krankheit und keinen Tod mehr gibt und in der das Bewußtsein regelmäßig abgespeichert wird. Diese Backups lassen sich bei Bedarf jederzeit zurückspielen. Der soziale Status hängt von sogenannten Woppel ab, eine Art Punktesystem, das jederzeit durch jeden abrufbar ist. Die Protagonisten des Romans werden schließlich in einen Kampf um die Kontrolle über Disneyworld verstrickt.
Doctorow verwendet einen sehr einfachen Erzählstil, der Roman lebt von der Spannung. Nichts Weltbewegendes finde ich, aber durchaus unterhaltsam. Das Buch kann auch als ebook unter der CC-Lizenz heruntergeladen werden.

Jonathan Franzen: Die Korrekturen

'franzen' von Corto

Jonathan Franzen ist eine Entdeckung. Dabei hat mich "Die Korrekturen" erstmal nicht besonders neugierig gemacht. Eine Familiengeschichte, und dazu eine Familiengeschichte in Form einer ziemlich dicken Schwarte.
Nachdem ich dann aber angefangen habe zu lesen, war die Skepsis allerdings schnell verflogen. Es ist weniger der Inhalt, der die Qualität des Buches ausmacht, es ist die Art wie Franzen erzählt. Seine Sprache.
"Das beste was man von bürgerlichen US-Autoren erwarten kann" kommentiert ein Freund den Roman. Stimmt!

Antonio Tabucchi: Piazza d´Italia

'tabucchi' von Corto

Durch "Erklärt Pereira" ist mir Antonio Tabucchi vor einigen Jahren das erste mal begegnet (nebenbei: es gibt eine sehr gute Verfilmung, wer sie noch nicht kennt - lohnt sich).
Piazza d´Italia stammt aus den Anfängen des politischen Autors Tabucchi, und ist 1975 in Italien erschienen. Der Roman behandelt die Geschichte einer toscanischen Familie über mehrere Jahrzehnte bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Piazza d´Italia in Borgia beherbergt ein Denkmal:

Die Kapelle nahm Aufstellung, die Musiker konnten es kaum noch erwarten anzufangen. Fräulein Cecchini stieg von der Tribüne herab, Arm in Arm mit dem Herrn mit der Goldbrille, und überquerte die erwartungsvoll schweigende Piazza. Das Band wurde durchgeschnitten, und das Laken glitt wie ein Kleidungsstück zu Boden, die Leute klatschten, und die Kapelle begann die Hymne zu spielen.
Plinio gefiel das neue Denkmal viel besser: Ein Soldat mit vom Wind zerzausten Haaren und einem Säbel an der Hüfte reichte einem majestetischen Herrn mit gezwirbeltem Bart ein kleines Mädchen. Das Mädchen streckte fröhlich die Arme aus, und auf der Schärpe über ihrer Brust stand ihr Name: Italien.
"Wer ist das", fragte Plinio und zog seinen Vater am Ärmel.
"Das ist Garibaldi, der Italien dem König übergibt".
"Und wer ist Garibaldi?"
"Der Herr der beiden Welten."
"Und wer ist der König?"
"Der neue Herr."

Im folgenden wird das Mädchen mehrfach einem neuen Herrn übergeben, diese Seite des Denkmals stellt den Duce dar und schließlich die Demokratie.

Raul Zelik über Joseba Sarrionandias "Der gefrorene Mann"

'joseba_sarrionandia' von Corto

Interview mit Raul Zelik über den von ihm und Petra Elser aus dem Baskischen übersetzten Roman "Der gefrorene Mann" von Joseba Sarrionandia.

Raul Zelik über seinen Roman "Der bewaffnete Freund"

'Raul Zelik' von Corto

Bei Freie-Radios.net gibt es einen Beitrag über den neuen Roman von Raul Zelik, "Der bewaffnete Freund". Mit Zelik spricht Heike Demmel vom Radio Z.

Inhalt abgleichen