theorie.org

Andrea Trumann: Feministische Theorie

'trumann' von Corto

"Eine feministische Theorie und Praxis, die nicht der Anpassung der Frauen an die neuesten Herrschaftsmechanismen dienen will, sollte sich zumindest ein Bewusstsein davon bewahren, dass wahre Selbstbestimmung erst in einer wahrhaft freien Gesellschaft möglich ist."

So schließt Andrea Trumann ihre in der Reihe theorie.org beim Schmetterling-Verlag 2002 erschienen Einführung in die feministische Theorie.
Von der antiautoritären Studentenbewegung bis zur Queer-Theorie stellt die Autorin die Entwicklung und theoretischen Diskussionen der neuen Frauenbewegung vor. Dabei belässt sie es keineswegs bei der reinen Darstellung der historischen und aktuellen Fakten, sondern kritisiert die unterschiedlichen Positionen gleichzeitig. Sie konfrontiert die theoretischen Positionen des Feminismus mit der Philosophie Michel Foucaults, und arbeitet den affirmativen und begrenzten Charakter der im Feminismus hegemonalen Positionen heraus.
Als roter Faden zieht sich die Bedeutung der Bevölkerungspolitik, also der staatlichen Kontrolle über die Reproduktion, durch das Buch. Einer der wesentlichen Kämpfe der Frauenbewegung war der gegen das Abtreibungsverbot unter der Parole "mein Bauch gehört mir". Als Erfolg dieses Kampfes sei die Verantwortung für staatliche Bevölkerungspolitik nun in die Hände der Frauen gelegt worden, die nun "selbstbestimmter" das staatliche Interesse an einer vernünftigen Reproduktion wahr nehmen. In diesem Zusammenhang behandelt sie auch aktuelle Entwicklungen im Bereich der Reproduktionsmedizin und ihre gesellschaftlichen Implikationen.

Henning Böke: Maoismus

In der Reihe theorie.org des Schmetterling Verlages ist nun ein Bändchen zur Einführung in den Maoismus erschienen. "China und die Linke - Bilanz und Perspektive" lautet der Untertitel. Dies scheint mir etwas vollmundig, angesichts der Komplexität des Themas und des Umfanges des kleinen Bändchens. Dennoch habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Bisher bin ich als politisches Kind der Scheiß 90er-Jahre nämlich nur mit seltsamen Zerrbildern des Maoismus in Berührung gekommen.
"Neue Demokratie", "Großer Sprung", "Kampf zweier Linien", "Kulturrevolution", "Viererbande" usw. Alles weitgehend unbekannte Begriffe. Dabei ist die chinesische Revolutionsgeschichte ja durchaus sehr wesentlich für die Entwicklung der Linken auf diesem Erdball.
Böke liefert zuallererst eine systematische Darstellung der chinesischen Entwicklung, als Einstieg in die Thematik ist das Buch ideal.Der Teil zum westlichen Maoismus fällt äußerst knapp aus, das halte ich aber nicht für weiter wichtig, da die chinesische Entwicklung sicher viel wesentlicher ist als die westlichen Versuche sie zu importieren.
Insgesamt eine Einführung die mein Interesse angefacht hat, in der nächsten Zeit werde ich die Literaturliste Bökes sicher zu Rate ziehen um die Aneignung der chinesischen Geschichte zu vertiefen.

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