DDR

Bernd Gehrke / Gerd-Rainer Horn (Hrsg.): 1968 und die Arbeiter

Studien zum "proletarischen Mai" in Europa lauter der Untertitel des von Bernd Gehrke und Gerd-Rainer Horn herausgegebenen Buches "1968 und die Arbeiter". Die einzelnen Beiträge verbindet der Fokus auf Arbeiterkämpfe im Zusammenhand mit 1968. Diese werden in den aktuellen Debatten kaum thematisiert (Ausnahme ist Frankreich und Itlalien). Hier ist dann in meinen Augen auch der größte Verdienst des Buches zu finden. In seinem Anspruch dieses verdrängte Thema wieder zugänglich zu machen.
Eine weitere Stärke liegt in der Breite der behandelten Staaten: die beiden deutschen Staaten, die Tschechoslowakei, Polen, Belgien, Frankreich und Italien.

Allerdings sind die Beiträge von unterschiedlicher Qualität und beziehen sich kaum aufeinander. Ein Sammelsurium verschiedener Beiträge, die von den Autoren manchmal etwas krampfhaft an 1968 festgemacht werden, auch wenn dies in einigen Fällen wenig sinnvoll ist weil nicht in allen behandelten Staaten ein Zusammenhang zwischen der weltweiten Revolte und Bewegung der Arbeiterschaft besteht.

Alles in allem ein Sammelsurium mit vielen interessanten Informationen und Zugängen, aber kein "must read".

Peter O. Chotjewitz: Mein Freund Klaus

'chotjewitz' von Corto

Der Verbrecher Verlag verlegt das neue Buch von Peter O. Chotjewitz, in dem er sich mit Leben und Wirken von Klaus Croissant beschäftigt.
Das Buch wird vom Verlag als Roman bezeichnet, dies führt zunächst auf eine falsche Spur. Es handelt sich keineswegs um eine fiktionale Erzählung, mehr um ein biografisches Buch. Dazu Chotjewitz im Lauf der Erzählung:

Warum peinigen moderne Romanciers mich damit, was sie sich ausdenken? Warum müssen sie erzählen, konstruieren? Warum beschränken sie sich nicht darauf, Material zu sammeln und es mir dann vor die Füße zu kippen? Warum belästigen sie mich mit Dingen wie Sprache, Stil, Aufbau, Stoff und Form, die sie in den meisten Fällen nicht beherrschen und die vom Wesentlichen ablenken, dem Material.

Aber auch eine klassische Biographie liegt mit dem Buch sicher nicht vor. Am ehesten ein subjektives Protokoll der Arbeit des Autors. Er beschreibt Gespräche mit Zeitzeugen, schwelgt in seinen eigenen Erinnerungen, und verweist auf zahlreiche zeitgenössische Quellen.

Klaus Croissant ist dabei mit Sicherheit ein schillernder Stoff. Der Vorzeigejurist studierte in Heidelberg, liebt das gute Leben, ist geschmackvoll gekleidet, interessiert sich für Kunst und Kultur, ist bei den Frauen beliebt, kennt sich bei Literatur und Weinen aus, residiert mit seiner Kanzlei in der Königsstraße, kauft sich Wohnungen im Asemwald und im SI-Center und richtet diese geschmackvoll ein.

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