Verbrecher Verlag

Gisela Elsner: Otto der Grossaktionär

Der Arbeiter Otto ist stolzer Besitzer ganzer fünf Aktien der Schädlingsvertilgungsmittelfabrik, in der er arbeitet. Da er diesen Umstand gegenüber seinen Freunden und Kollegen gar nicht oft genug erwähnen kann, trägt er den Spitznamen "Otto der Grossaktionär".
Beschäftigt ist er als sogenannter Tierbetreuer, tatsächlich bestreut er Ratten mit Vertilgungsmitteln um deren Wirksamkeit zu testen. Ungemütlich wird es immer dann, wenn die Ratten nicht sterben wie es die Chemiker ausgerechnet haben, sondern noch leben. Da Otto und sein Kollege in der Hirarchie ganz unten stehen bekommen sie dann den Druck des Abteilungsleiters Jühlich voll zu spüren. Also sorgt Otto dafür, dass die Ratten termingerecht ableben. Allerdings bekommt die Firma wegen der mangelden Qualität der Schädlingsvertilgungsmittel Absatzschwierigkeiten und Otto wird auf Kurzarbeit gesetzt. Glücklicherweise ist sein Artbeitgeber dabei einen neuen Markt zu erschließen. Otto stellt sich als Testperson für Giftgas zur Verfügung. Dieses wird im Auftrag des Innenministeriums als Mittel gegen Staatsfeinde und Terroristen entwickelt.

Gisela Elsner bedient sich in Ihrem Roman des Mittels der Satire, die Unmenschlichkeit der Ökonomie und des Fabrikregimes stellt sie stark überzeichnet dar. Ein weiteres Thema sind die Klassenverhältnisse und die Versuche des Otto seinen erbärmlichen Status für sich selbst erträglich zu gestalten. Ich finde, dass trotz der Überzeichnungen ein sehr realistisches Bild der Zustände unserer Gesellschaft entsteht. Die Lektüre ist ein Vergnügen, die Qualität hält den bei Gisela Elsner gewohnheitsmäßig hohen Erwartungen mühelos stand.

Peter O. Chotjewitz: Mein Freund Klaus

'chotjewitz' von Corto

Der Verbrecher Verlag verlegt das neue Buch von Peter O. Chotjewitz, in dem er sich mit Leben und Wirken von Klaus Croissant beschäftigt.
Das Buch wird vom Verlag als Roman bezeichnet, dies führt zunächst auf eine falsche Spur. Es handelt sich keineswegs um eine fiktionale Erzählung, mehr um ein biografisches Buch. Dazu Chotjewitz im Lauf der Erzählung:

Warum peinigen moderne Romanciers mich damit, was sie sich ausdenken? Warum müssen sie erzählen, konstruieren? Warum beschränken sie sich nicht darauf, Material zu sammeln und es mir dann vor die Füße zu kippen? Warum belästigen sie mich mit Dingen wie Sprache, Stil, Aufbau, Stoff und Form, die sie in den meisten Fällen nicht beherrschen und die vom Wesentlichen ablenken, dem Material.

Aber auch eine klassische Biographie liegt mit dem Buch sicher nicht vor. Am ehesten ein subjektives Protokoll der Arbeit des Autors. Er beschreibt Gespräche mit Zeitzeugen, schwelgt in seinen eigenen Erinnerungen, und verweist auf zahlreiche zeitgenössische Quellen.

Klaus Croissant ist dabei mit Sicherheit ein schillernder Stoff. Der Vorzeigejurist studierte in Heidelberg, liebt das gute Leben, ist geschmackvoll gekleidet, interessiert sich für Kunst und Kultur, ist bei den Frauen beliebt, kennt sich bei Literatur und Weinen aus, residiert mit seiner Kanzlei in der Königsstraße, kauft sich Wohnungen im Asemwald und im SI-Center und richtet diese geschmackvoll ein.

Inhalt abgleichen