Bereits 1958 erschien meine neueste Entdeckung in Turin. Wagenbach verlegt nun die Übersetzung. Aus gutem Grund. Ich bin nach der Lektüre ernsthaft beeindruckt.
Die Geschichte spielt sich während des Faschismus in Ferrara ab. Doktor Fadigati ist anerkanntes Mitglied der besseren Gesellschaft. Alles tadellos, von der Mitgliedschaft bei den Faschisten über das Bildungsgehabe und auch die Kasse stimmt.
Nur: Fadigati ist nicht verheiratet. Auch ist nichts bekannt über ein oder mehrere Verhältnisse zu Frauen die nicht seinem Stand entsprechen und die er daher nicht heiraten kann. Statt dessen hält er sich auffallend gerne in Gesellschaft junger Männer auf, Soldaten und Studenten. All dies würde ihm verziehen, hätte er sich nicht in einen Sportstudenten verliebt der ihn gründlichst demütigt und bloßstellt. Dies ist unverzeihlich, Fadigati fällt. Tief.
Das Bändchen behandelt eine Gesellschaft die schon ohne diese Eskalation absolut ekelhaft wäre. Komplett wird das Grauen durch den Ich-Erzähler der Geschichte, einen jüdischen Studenten. Bassani behandelt also auch den Umgang der besseren Gesellschaft mit der Einführung der italienischen Rassengesetze.
Der Autor bedient sich dazu einer sehr einfachen Sprache, das Bild ergibt sich aus zahllosen Andeutungen. Es ist vor allem eine Stimmung, die er transportiert, weniger eine genaue Zusammenstellung der Ereignisse. Äußerst fesselnd.