"Eine feministische Theorie und Praxis, die nicht der Anpassung der Frauen an die neuesten Herrschaftsmechanismen dienen will, sollte sich zumindest ein Bewusstsein davon bewahren, dass wahre Selbstbestimmung erst in einer wahrhaft freien Gesellschaft möglich ist."
So schließt Andrea Trumann ihre in der Reihe theorie.org beim Schmetterling-Verlag 2002 erschienen Einführung in die feministische Theorie.
Von der antiautoritären Studentenbewegung bis zur Queer-Theorie stellt die Autorin die Entwicklung und theoretischen Diskussionen der neuen Frauenbewegung vor. Dabei belässt sie es keineswegs bei der reinen Darstellung der historischen und aktuellen Fakten, sondern kritisiert die unterschiedlichen Positionen gleichzeitig. Sie konfrontiert die theoretischen Positionen des Feminismus mit der Philosophie Michel Foucaults, und arbeitet den affirmativen und begrenzten Charakter der im Feminismus hegemonalen Positionen heraus.
Als roter Faden zieht sich die Bedeutung der Bevölkerungspolitik, also der staatlichen Kontrolle über die Reproduktion, durch das Buch. Einer der wesentlichen Kämpfe der Frauenbewegung war der gegen das Abtreibungsverbot unter der Parole "mein Bauch gehört mir". Als Erfolg dieses Kampfes sei die Verantwortung für staatliche Bevölkerungspolitik nun in die Hände der Frauen gelegt worden, die nun "selbstbestimmter" das staatliche Interesse an einer vernünftigen Reproduktion wahr nehmen. In diesem Zusammenhang behandelt sie auch aktuelle Entwicklungen im Bereich der Reproduktionsmedizin und ihre gesellschaftlichen Implikationen.