Karin Fleischanderl

Antonio Tabucchi: Piazza d´Italia

'tabucchi' von Corto

Durch "Erklärt Pereira" ist mir Antonio Tabucchi vor einigen Jahren das erste mal begegnet (nebenbei: es gibt eine sehr gute Verfilmung, wer sie noch nicht kennt - lohnt sich).
Piazza d´Italia stammt aus den Anfängen des politischen Autors Tabucchi, und ist 1975 in Italien erschienen. Der Roman behandelt die Geschichte einer toscanischen Familie über mehrere Jahrzehnte bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Piazza d´Italia in Borgia beherbergt ein Denkmal:

Die Kapelle nahm Aufstellung, die Musiker konnten es kaum noch erwarten anzufangen. Fräulein Cecchini stieg von der Tribüne herab, Arm in Arm mit dem Herrn mit der Goldbrille, und überquerte die erwartungsvoll schweigende Piazza. Das Band wurde durchgeschnitten, und das Laken glitt wie ein Kleidungsstück zu Boden, die Leute klatschten, und die Kapelle begann die Hymne zu spielen.
Plinio gefiel das neue Denkmal viel besser: Ein Soldat mit vom Wind zerzausten Haaren und einem Säbel an der Hüfte reichte einem majestetischen Herrn mit gezwirbeltem Bart ein kleines Mädchen. Das Mädchen streckte fröhlich die Arme aus, und auf der Schärpe über ihrer Brust stand ihr Name: Italien.
"Wer ist das", fragte Plinio und zog seinen Vater am Ärmel.
"Das ist Garibaldi, der Italien dem König übergibt".
"Und wer ist Garibaldi?"
"Der Herr der beiden Welten."
"Und wer ist der König?"
"Der neue Herr."

Im folgenden wird das Mädchen mehrfach einem neuen Herrn übergeben, diese Seite des Denkmals stellt den Duce dar und schließlich die Demokratie.

Inhalt abgleichen